Der Bodensee ist kein gestauter See. Er hat einen grossen Zufluss, den Alpenrhein, und einen Abfluss, den Rhein bei Konstanz — dazwischen liegt eine zusammenhängende Wasserfläche, deren Spiegel sich ausgleicht. Deshalb genügt ein Referenzpegel für den ganzen Obersee, und dieser Pegel steht in Konstanz.
Was die Zahl überhaupt misst
Der Pegelnullpunkt in Konstanz liegt bei 391,89 Metern über Normalnull. Ein angezeigter Pegelstand von 340 Zentimetern bedeutet also nicht 3,40 Meter Wassertiefe, sondern 3,40 Meter über diesem festgelegten Nullpunkt — die Wasseroberfläche liegt dann auf rund 395,3 Metern über Normalnull.
Das ist der Grund, weshalb Pegelzahlen ohne Kontext wenig aussagen. Für die Praxis zählt nicht die absolute Höhe, sondern die Abweichung vom Gewohnten: Liegt der See gerade hoch oder tief für die Jahreszeit?
Hoch im Juni, tief im Winter
Der Bodensee atmet im Takt der Alpen — nicht im Takt des Wetters vor Ort.
Der Wasserstand zeigt einen ausgeprägten jahreszeitlichen Verlauf mit im Mittel maximalen Werten in den Sommermonaten, meist Juni oder Juli, und minimalen Werten in den Wintermonaten. Der Grund liegt 100 Kilometer weiter südlich: Die Schneeschmelze in den Alpen läuft über den Alpenrhein in den See. Im Winter ist dieser Nachschub gefroren und bleibt liegen.
Ein Beispieljahr macht die Grössenordnung greifbar. 2022 lag der Pegel Konstanz
- am 15. März mit 284,2 cm am tiefsten,
- am 11. Juni mit 377,4 cm am höchsten.
Gut 93 Zentimeter Unterschied in knapp drei Monaten. 2022 war dabei ein trockenes Jahr: Die Sommerwasserstände lagen deutlich unter dem Durchschnitt, verursacht durch erhöhte Verdunstung, fehlende Niederschläge und eine frühe Schneeschmelze.
Wenn ein Pegel doch nicht für alle gilt
Bei kräftigem, anhaltendem Wind aus einer Richtung schiebt sich Wasser ans Leeufer — der Windstau. Für die Dauer der Lage steht das Wasser dort höher als am gegenüberliegenden Ufer, und der Pegel in Konstanz bildet das nur teilweise ab.
Für Wassersportler ist das selten der entscheidende Faktor; für die Beurteilung eines flachen Hafeneinfahrts- oder Slipbereichs bei Sturmlage kann es einer sein. In dieser Situation ist ohnehin der Sturmwarndienst die wichtigere Information.
Warum der Pegel für Wassersport zählt
Untiefen
Bei Niedrigwasser liegen Steinfelder und Sandbänke näher an der Oberfläche, als die Karte vermuten lässt. Besonders im Untersee und vor den Flussmündungen macht ein halber Meter den Unterschied.
Häfen und Slipanlagen
Manche Slipanlage ist bei Tiefstwasser im Frühjahr kaum nutzbar, manche Steganfahrt bei Hochwasser im Juni knapp. Wer den Pegel vorher kennt, spart sich die Fahrt.
Einstiegsstellen
Für Kajak und SUP ändert sich mit dem Pegel, welche Kiesbank frei liegt und welche unter Wasser steht — und wie weit man das Board tragen muss.
Woher die offiziellen Zahlen kommen
Der Pegel Konstanz wird über PEGELONLINE der Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes veröffentlicht, im Viertelstundentakt und als offene Verwaltungsdaten. Für das Schweizer Ufer betreibt das Bundesamt für Umwelt BAFU eigene Messstellen, unter anderem in Romanshorn und Berlingen.
Genau diese Quellen speisen auch die App — mit Zeitstempel und Herkunft an jedem Wert. Fällt eine Quelle aus, zeigt die App das an, statt einen alten Wert wie einen aktuellen aussehen zu lassen.
Häufige Fragen zum Pegel
Warum gibt es für den ganzen Bodensee nur einen Pegel?
Weil der Obersee eine zusammenhängende Wasserfläche ohne Staustufen ist — der Wasserspiegel gleicht sich aus. Konstanz hat sich als Referenzpegel etabliert und wird für den ganzen See zitiert. Nur bei starkem Wind drückt der sogenannte Windstau das Wasser vorübergehend an ein Ufer.
Wo liegt der Pegelnullpunkt in Konstanz?
Bei 391,89 Metern über Normalnull. Der angezeigte Pegelstand ist also kein Absolutwert, sondern die Höhe über diesem festgelegten Nullpunkt.
Wann ist der Bodensee am höchsten und wann am niedrigsten?
Der Wasserstand zeigt einen ausgeprägten jahreszeitlichen Verlauf mit im Mittel maximalen Werten in den Sommermonaten, meist Juni oder Juli, und minimalen Werten in den Wintermonaten. Ursache ist die Schneeschmelze in den Alpen, die über den Alpenrhein in den See läuft.
Wie stark schwankt der Wasserstand im Lauf eines Jahres?
Rund einen Meter ist üblich. 2022 lag der Tiefststand am 15. März bei 284,2 Zentimetern und der Höchststand am 11. Juni bei 377,4 Zentimetern — gut 93 Zentimeter Unterschied in knapp drei Monaten.
Woher kommen die offiziellen Pegeldaten?
Der Pegel Konstanz wird über PEGELONLINE der Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes veröffentlicht. Für das Schweizer Ufer liefert das Bundesamt für Umwelt BAFU eigene Messstellen.
Mehr zum Bodensee
Quellen und Einordnung: Pegelnullpunkt und Messwerte nach PEGELONLINE (WSV); Jahresgang und die Werte für 2022 aus dem Umweltdaten-Bericht des Landes Baden-Württemberg zum Bodensee. Für die Schifffahrt verbindlich sind die amtlichen Bekanntmachungen der zuständigen Behörden.