Der Bodensee liegt zwischen Alpen und Mittelland, und beides schickt ihm Wind. Dazu kommt der See selbst: 63 Kilometer lang, bis 251 Meter tief und mit einer Wasseroberfläche, die sich viel langsamer erwärmt als das Land ringsum — daraus macht er seinen eigenen Wind. Vier Lagen erklären fast alles, was man auf dem Wasser erlebt.
Westwind — die Normallage
Am Bodensee herrschen meist westliche Winde. Sie kommen mit den üblichen Tiefdrucklagen über das Schweizer Mittelland und den Hegau an den See und sind das, womit man rechnet, wenn nichts Besonderes los ist.
Berechenbar heisst allerdings nicht harmlos: Weststürme können am Bodensee besonders kräftig ausfallen. Und weil der See in West-Ost-Richtung liegt, hat der Wind über die ganze Länge freien Anlauf — der Wellenaufbau am Ostufer ist entsprechend anders als der am Westufer, bei genau demselben Wind.
Föhn — der Fallwind aus Süden
Der Föhn steigt über die Alpen ab und wird dabei warm und trocken. Für den See ist weniger seine Stärke das Problem als seine Unregelmässigkeit: Er kommt in Böen, nicht als gleichmässiger Strom. Zwischen zwei Böen kann es fast windstill sein.
Am stärksten trifft es den südöstlichen Obersee — die Ecke um Bregenz, Rorschach und das Rheindelta liegt den Alpen am nächsten. Wer dort startet, während es in Überlingen ruhig ist, erlebt zwei verschiedene Seen. Föhnstürme gehören zusammen mit den Weststürmen zu den gefährlichsten Lagen am Bodensee.
Bise — kalt, trocken und hartnäckig
Die Bise weht aus nördlicher Richtung und entsteht bei einer bestimmten Grosswetterlage: Hochdruck über den Britischen Inseln, Tiefdruck über Italien. Sie ist trocken und kalt, hält oft mehrere Tage an und kann deutlich stärker wehen als jede Thermik — bis hin zum Sturm.
Der Haken für Wassersportler: Bise-Tage sehen von Land aus grossartig aus. Klare Sicht, blauer Himmel, keine Wolke. Auf dem Wasser ist es dann kälter und ruppiger, als das Wetterbild vermuten lässt.
Thermik — der Wind, den der See selbst macht
Land erwärmt sich schneller als Wasser und kühlt schneller ab. Daraus entsteht der Tagesrhythmus: Mittags strömt kühlere Luft vom Wasser ans Land, abends dreht es um, weil das Land schneller auskühlt. Schon drei Grad Temperaturunterschied genügen, um das auszulösen.
Thermische Winde sind ausgesprochen regional. Es kann in Bregenz Westwind wehen, während zur selben Zeit in Konstanz die Thermik aus Osten ans Ufer läuft. Deshalb ist die Frage „wie viel Wind hat es am Bodensee?" streng genommen falsch gestellt — sie ist nur pro Station beantwortbar.
Wo der Wind gemessen wird
Amtliche Stationen rund um den See, jede mit eigenem Messwert — und oft mit deutlich unterschiedlichen Zahlen zur selben Minute.
Deutsches Ufer
Der Deutsche Wetterdienst misst unter anderem in Konstanz, Sipplingen, Friedrichshafen und Lindau — im 10-Minuten-Takt, inklusive Böenspitzen.
Schweizer Ufer
MeteoSchweiz betreibt die Stationen am Südufer. Ihre Werte sind für den Untersee und den Konstanzer Trichter oft aussagekräftiger als die deutschen.
Prognose
Für die Vorausschau liefert der DWD Punktprognosen, die auch das Schweizer und österreichische Ufer abdecken — Grundlage für Wind- und Böen-Ausblicke.
Weil die Stationen so unterschiedlich messen, hilft ein einzelner Wert wenig. Aussagekräftig wird es erst, wenn man die Station am geplanten Spot anschaut — und daneben die Böenspitze, nicht nur das Mittel. Die Böe ist das, was ein Boot umlegt.
Wie viel Wind ist zu viel?
Darauf gibt es keine allgemeine Antwort — und genau das ist der Punkt.
Amtlich gewarnt wird ab 25 Knoten (rund 46 km/h, Starkwindwarnung) und ab 34 Knoten (rund 63 km/h, Sturmwarnung). Diese Schwellen gelten für alle gleich — sie sind eine Untergrenze der Gefahr, keine Empfehlung.
Praktisch liegt die persönliche Grenze fast immer weit darunter oder darüber. 18 km/h sind für ein Stand-up-Paddel-Board bereits eine ernste Angelegenheit, besonders ablandig; für einen Windsurfer sind sie noch zu wenig zum Gleiten. Eine Zwölf-Meter-Yacht mit erfahrener Crew fährt bei Bedingungen, bei denen ein Kajak längst an Land gehört.
Deshalb bringt eine einzelne Zahl ohne Bezug zum Fahrzeug wenig. Genau dort setzen die neun Aktivitätsprofile der App an: Dieselbe Messung wird je nach eingestelltem Profil anders bewertet.
Häufige Fragen zum Wind am Bodensee
Welche Windrichtung herrscht am Bodensee vor?
Meist westliche Winde. Sie kommen mit den üblichen Tiefdrucklagen aus Westen über das Schweizer Mittelland und den Hegau an den See.
Was ist der Föhn am Bodensee?
Ein Fallwind aus Süden, der über die Alpen absteigt und dabei warm und trocken wird. Er tritt in unregelmässigen, harten Böen auf und ist im südöstlichen Obersee am stärksten, weil dieser Teil des Sees den Alpen am nächsten liegt.
Was ist die Bise am Bodensee?
Ein kalter, trockener Wind aus nördlicher Richtung. Er entsteht bei einem Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln und einem Tief über Italien, kann stärker wehen als jede Thermik und bis zum Sturm auffrischen.
Warum weht der Wind an zwei Ufern gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen?
Weil thermische Winde sehr regional entstehen. Es kann in Bregenz Westwind wehen, während zur selben Zeit in Konstanz die Thermik aus Osten ans Ufer läuft. Ein einzelner Messwert für „den Bodensee" gibt es deshalb nicht.
Ab wie viel Wind wird am Bodensee gewarnt?
Die Starkwindwarnung gilt ab 25 Knoten (rund 46 km/h), die Sturmwarnung ab 34 Knoten (rund 63 km/h). Angezeigt wird sie über die orangen Blinkleuchten rund um den See.
Mehr zum Bodensee
Wichtig: Dieser Text ordnet ein, er warnt nicht. Verbindlich sind die Warnleuchten am See und die Angaben der zuständigen Behörden. Auch die App Bodensee Seelotse ersetzt weder die amtliche Sturmwarnung noch Navigationsausrüstung.