Mit bis zu 251 Metern Tiefe hat der Bodensee eine gewaltige Wärmespeichermasse. Das macht die Oberflächentemperatur ausgesprochen träge: Ein warmer Apriltag ändert am Wasser praktisch nichts, und ein Kälteeinbruch im August auch nicht. Wer das weiss, schätzt den See im Frühjahr deutlich realistischer ein.
Von unter 10 Grad bis über 20
Richtwerte für die Oberfläche. Einzelne Buchten und Flachwasserzonen liegen im Sommer deutlich darüber, im Frühjahr oft darunter.
Unter 10 Grad
Gegen Ende des Winters nähert sich die Oberfläche dem Tiefenwasser an, das ganzjährig bei rund 5 Grad liegt. Der See durchmischt sich in dieser Zeit über die ganze Tiefe.
10 bis 20 Grad
Die Erwärmung ist langsam und läuft der Lufttemperatur weit hinterher. Ein 25-Grad-Tag im Mai bedeutet nicht, dass das Wasser mitgezogen hätte.
22 bis 24 Grad
Die wärmste Zeit. In warmen Sommern werden Spitzen um 25 Grad erreicht — im August 2022 stieg die Oberfläche in der Seemitte auf rund 25 Grad.
Langsam zurück
Dieselbe Trägheit wirkt jetzt zugunsten des Sees: Er hält die Wärme länger als die Luft. September ist oft angenehmer zum Schwimmen als Juni.
In der Tiefe ändert sich fast nichts
In 250 Metern Tiefe liegt die Temperatur ganzjährig bei rund 5 Grad. 2022 waren es im Januar 5,2 Grad und zum Jahresende 5,3 Grad — über ein ganzes Jahr also ein Zehntelgrad Unterschied.
Praktisch heisst das: Die warme Schicht im Sommer ist dünn. Wer beim Segeln oder Kajakfahren ins Wasser fällt, ist je nach Stelle und Jahreszeit sehr schnell in deutlich kälterem Wasser, als die Badetemperatur an der Oberfläche vermuten lässt.
Kaltes Wasser ist das grössere Risiko
Am Bodensee wird viel über Wind gesprochen und wenig über Wassertemperatur. Dabei ist gerade im Frühjahr die Kombination gefährlich: warme Luft, kaltes Wasser, wenig Wind — die Bedingungen, bei denen man ohne Neopren rausfährt.
Ein unerwarteter Sturz in kaltes Wasser löst eine sofortige Schreckreaktion aus: unwillkürliches Einatmen, Hyperventilation, schnelle Erschöpfung. Das passiert lange bevor Unterkühlung im eigentlichen Sinn eintritt, und es trifft auch gute Schwimmer. Deshalb ist die Wassertemperatur im April eine Planungsgrösse, keine Randnotiz.
Verlässliche Empfehlungen zu Ausrüstung und Verhalten geben die Wasserrettungsorganisationen und die Wasserschutzpolizeien der Anrainer — diese Seite ordnet nur die Zahlen ein.
Der See wird messbar wärmer
Im Zeitraum 1993 bis 2022 war das Oberflächenwasser um 1,3 Grad und das Tiefenwasser um 0,3 Grad wärmer als im Vergleichszeitraum 1962 bis 1990. 2022 erreichte die Oberfläche in der Seemitte mit einer Jahresmitteltemperatur von 14 Grad einen neuen Höchstwert.
Dass sich auch das Tiefenwasser erwärmt, ist der bemerkenswertere Befund: Dorthin gelangt Wärme nur über die winterliche Durchmischung. Bleibt die aus, weil die Oberfläche im Winter nicht mehr kalt genug wird, verändert das den See bis nach unten.
Wo die Wassertemperatur gemessen wird
Amtliche Dauermessstellen für die Wassertemperatur sind am Bodensee dünner gesät als Windstationen. Belastbare, laufend aktualisierte Werte liefern unter anderem der Gewässerkundliche Dienst Bayern in Lindau und die Messstelle des Landes Vorarlberg in Bregenz, letztere sogar in zwei Tiefen.
Was auf Ferienportalen als „aktuelle Wassertemperatur Bodensee" steht, stammt oft aus Schätzungen oder Modellen und nicht aus einer Messung. Ein Wert ohne Angabe von Messstelle und Zeitpunkt ist wenig wert — deshalb nennt die App zu jedem Messwert Station, Zeitpunkt und Herkunft, und zeigt lieber gar keine Zahl als eine alte.
Häufige Fragen zur Wassertemperatur
Wie warm ist der Bodensee im Sommer?
Im Juli und August liegen die Oberflächentemperaturen im Mittel bei 22 bis 24 Grad. In warmen Sommern werden Spitzen um 25 Grad erreicht — im August 2022 stieg die Oberflächentemperatur in der Seemitte auf rund 25 Grad.
Wie kalt ist der Bodensee im Winter?
Von Dezember bis März liegt die Oberflächentemperatur unter 10 Grad und nähert sich gegen Ende des Winters dem Tiefenwasser an, das ganzjährig bei rund 5 Grad liegt.
Ab wann kann man im Bodensee baden?
Zwischen April und Juni bewegt sich die Oberfläche zwischen 10 und 20 Grad. Angenehm zum längeren Schwimmen wird es meist erst im Juni; Mai-Werte fühlen sich nach wenigen Minuten deutlich kälter an, als sie klingen.
Wie warm ist das Wasser in 250 Metern Tiefe?
Rund 5 Grad, und das praktisch ganzjährig. 2022 lag die Temperatur in 250 Metern Tiefe im Januar bei 5,2 Grad und zum Jahresende bei 5,3 Grad.
Wird der Bodensee wärmer?
Ja. Im Zeitraum 1993 bis 2022 war das Oberflächenwasser um 1,3 Grad und das Tiefenwasser um 0,3 Grad wärmer als im Vergleichszeitraum 1962 bis 1990. 2022 erreichte die Oberfläche in der Seemitte mit einer Jahresmitteltemperatur von 14 Grad einen neuen Höchstwert.
Mehr zum Bodensee
Quellen und Einordnung: Die Zahlen zu Jahresverlauf, Tiefenwasser und Erwärmung stammen aus dem Umweltdaten-Bericht des Landes Baden-Württemberg zum Bodensee. Diese Seite ist eine Erklärhilfe und keine Sicherheitsauskunft; für Fragen zu Ausrüstung und Verhalten auf dem Wasser sind die Wasserrettungsorganisationen und die Wasserschutzpolizeien zuständig.