Der Bodensee ist gross genug, dass Wetter von einem Ende zum anderen eine gute Stunde braucht — und flach genug, dass Wind sehr schnell für sehr steile Wellen sorgt. Deshalb gibt es rund um den See ein eigenes Warnsystem: 43 orangefarbene Blitzfeuer, die zwei verschiedene Warnstufen anzeigen. Wer sie lesen kann, weiss in zwei Sekunden Bescheid.
40 Blinkzeichen heisst Starkwind, 90 heisst Sturm
Unterschieden wird allein über die Frequenz. Die Farbe ist bei beiden Stufen dieselbe: orange.
40 Blitze pro Minute
Gewarnt wird vor Böen von 25 bis 33 Knoten — etwa 46 bis 61 km/h, entsprechend 6 bis 8 Beaufort.
Für kleine, unmotorisierte Fahrzeuge ist das bereits die Grenze: Kajaks, Stand-up-Paddel-Boards und Jollen gehören bei dieser Stufe in Ufernähe oder an Land. Für eine grössere Yacht mit erfahrener Crew ist es Segelwetter. Genau diese Spreizung ist der Grund, weshalb eine einzelne Zahl ohne Bezug zum Fahrzeug wenig aussagt.
90 Blitze pro Minute
Gewarnt wird vor Böen ab 34 Knoten — rund 63 km/h und mehr, ab 8 Beaufort.
Diese Stufe gilt für alle. Wer unterwegs ist, läuft den nächsten sicheren Hafen an oder verlässt das Wasser auf dem kürzesten Weg; wer noch am Steg steht, bleibt dort. Am Bodensee kann der Wind innerhalb weniger Minuten von wenig auf sehr viel drehen — die Warnung kommt, bevor es so weit ist, nicht danach.
Wer die Warnung auslöst
Den Sturmwarndienst am Bodensee führt die Regionalzentrale Stuttgart des Deutschen Wetterdienstes in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz durch. Es ist also keine regionale Eigenlösung und kein privater Dienst, sondern eine amtliche, grenzüberschreitend abgestimmte Warnung — was am Bodensee nötig ist, weil drei Staaten am selben Ufer liegen.
Die Entscheidung fällt zentral, ausgelöst werden die Leuchten dann in der jeweiligen Region. Für Schiffsführerinnen und Schiffsführer gilt die Leuchte: Sie ist das verbindliche Signal. Jede App, jede Website und jeder Wetterbericht — auch dieser Text — sind Zusatzinformation.
Drei Warnregionen, nicht ein See
Gewarnt wird nicht für den ganzen Bodensee auf einmal, sondern getrennt nach Abschnitten.
Bodensee West
Der Überlinger See und der Untersee mit dem Konstanzer Trichter — der westliche Abschnitt bis etwa auf die Höhe von Konstanz und Kreuzlingen.
Bodensee Mitte
Der mittlere Obersee zwischen den beiden Ufern, etwa zwischen Friedrichshafen, Romanshorn und Langenargen.
Bodensee Ost
Der östliche Obersee bis zum Rheindelta — Lindau, Bregenz, Rorschach und die Bucht davor.
Das ist mehr als eine Verwaltungsgrenze: Es kann im Westen bereits blinken, während es im Osten noch ruhig ist. Wer nur eine einzige Zahl für „den Bodensee" kennt, verpasst genau diese Unterschiede — und startet im Zweifel in die falsche Richtung.
Wann die Leuchten überhaupt an sein können
Der Sturmwarndienst läuft nicht rund um die Uhr:
- 1. April bis 31. Oktober: zwischen 6 und 22 Uhr
- 1. November bis 31. März: zwischen 7 und 20 Uhr
Ausserhalb dieser Zeiten sagt eine dunkle Leuchte nichts aus — weder Entwarnung noch Warnung. Wer früh am Morgen oder spät am Abend rausfährt, braucht deshalb eine andere Quelle. Genau das ist die Lücke, die eine Push-Nachricht schliesst.
Die Warnung aufs Telefon, bevor du am See stehst
Die Leuchte siehst du erst, wenn du da bist. Die App zeigt dieselbe amtliche Warnung, während du noch das Auto packst.
Bodensee Seelotse übernimmt die Starkwind- und Sturmwarnungen des Deutschen Wetterdienstes für alle drei Regionen und schickt sie als Push-Nachricht — zusammen mit einem Verhaltenshinweis für die Aktivität, die du eingestellt hast. Denn 25 Knoten bedeuten für ein Kajak etwas anderes als für einen Windsurfer, und genau dort setzen die neun Aktivitätsprofile an. Seit Version 1.1.9 ergänzt die App die Seewarnungen um amtliche Gewitter-, Nebel- und Starkregenwarnungen für die deutschen Uferkreise — rund um die Uhr, also auch ausserhalb der Betriebszeiten des Sturmwarndienstes.
Zwei Dinge sind dabei bewusst so gebaut: Die Warnungen sind und bleiben gratis — eine Sicherheitsfunktion hinter einer Bezahlschranke wäre keine. Und wenn eine Datenquelle ausfällt, sagt die App das, statt stillschweigend Entwarnung zu geben. Ein fehlender Wert darf nie wie eine gute Nachricht aussehen.
Häufige Fragen zur Sturmwarnung
Was bedeuten 40 Blinkzeichen pro Minute am Bodensee?
40 orangefarbene Blitze pro Minute sind die Starkwindwarnung. Sie warnt vor Böen zwischen 25 und 33 Knoten, also etwa 46 bis 61 km/h oder 6 bis 8 Beaufort.
Was bedeuten 90 Blinkzeichen pro Minute am Bodensee?
90 orangefarbene Blitze pro Minute sind die Sturmwarnung. Sie warnt vor Böen ab 34 Knoten, also ab rund 63 km/h oder ab 8 Beaufort. Wer unterwegs ist, sollte den nächsten sicheren Hafen anlaufen.
Wie viele Sturmwarnleuchten gibt es am Bodensee?
Rund um den Bodensee stehen 43 orangefarbene Blitzfeuer, verteilt über alle drei Anliegerstaaten. Für Schiffsführerinnen und Schiffsführer sind sie die verbindliche Warnung.
Wer löst die Sturmwarnung am Bodensee aus?
Die Regionalzentrale Stuttgart des Deutschen Wetterdienstes, in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz.
Wann sind die Warnleuchten in Betrieb?
Vom 1. April bis 31. Oktober zwischen 6 und 22 Uhr, vom 1. November bis 31. März zwischen 7 und 20 Uhr. Ausserhalb dieser Zeiten ist eine dunkle Leuchte keine Entwarnung.
In welche Regionen ist der Bodensee für Warnungen aufgeteilt?
In drei Warnregionen: Bodensee West, Bodensee Mitte und Bodensee Ost. Gewarnt wird regionsweise — es kann im Westen stürmen, während der Osten ruhig bleibt.
Woher diese Angaben stammen
- Deutscher Wetterdienst, Seewetterdienst und Regionalzentrale Stuttgart — Betrieb des Sturmwarndienstes, gemeinsam mit MeteoSchweiz
- Kantonspolizei Thurgau — Warnregionen Bodensee West, Mitte und Ost
- Verzeichnis der Binnenleuchtfeuer, Sturmwarnfeuer Bodensee — Blinkfrequenzen, Windstärken, Anzahl der Leuchten, Betriebszeiten
Wichtig: Dieser Text ist eine Erklärhilfe, keine amtliche Auskunft. Verbindlich sind die Warnleuchten am See und die Angaben der zuständigen Behörden. Auch die App Bodensee Seelotse ersetzt weder die amtliche Sturmwarnung noch Navigationsausrüstung. Die Entscheidung, auf das Wasser zu gehen, liegt bei dir.